Hepatitis
Hepatitis: Diagnose
Definition
Entzündliche Reaktion der Leber mit Nekrose von Parenchymzellen unterschiedlichster Ätiologie
Akute Virushepatitis
(sog. "klassische" Hepatitiden)
Virushepatitis A
Erreger: Hepatitis-A-Virus (HAV)
Inkubationszeit 10-40 Tage, typische Reisekrankheit (Mittelmeerraum, Südamerika, Orient), meist epidemisch, Dauer einige Wochen, kein Übergang in chronischen Verlauf
Virushepatitis B
Erreger: Hepatitis-B-Virus (HBV)
Inkubationszeit 4-12 Wochen, meist sporadisches Auftreten, Übertragung in Europa vorwiegend sexuell sowie parenteral (z.b. i.v.-Drogenabusus), selten durch Speichel und andere Körperflüssigkeiten; in endemischen Gebieten (Asien, Afrika) vorwiegend perinatal von der infizierten Mutter auf das Kind Übergang in chronischen Verlauf in ca. 5 % bei horizontaler Transmission (Europa), bei vertikaler Transmission wesentliche höher.
Virushepatitis C
Erreger: Hepatitis-C-Virus (HCV)
Inkubationszeit 6-12 Wochen, häufig nach Bluttransfusion oder i.v. Drogenabusus (Europa), in Ländern mit fehlendem Screening von Blutkonserven auch durch Bluttransfusion, chronischer Verlauf (in 70-80 %)
Virushepatitis D
Erreger: Hepatitis-D-Virus (HDV)
Inkubationszeit 4-12 Wochen; Das inkomplette Virus benötigt HBV-Hüllprotein (HBsAg) zur Komplettierung des eigenen Genoms. Tritt daher nur bei HBsAg-positiven Patienten als Superinfektion auf. Verdacht auf Delta-Hepatitis: "akuter Schub" bei HBsAg-positiven Patienten
Virushepatitis E
Erreger: Hepatitis-E-Virus (HEV)
Inkubationszeit 10-40 Tage, epidemisch in Indien, Pakistan, Bangladesh, in unseren Breiten selten
Exponierte Personengruppen für HBV- und HCV-Infektion
- Ärzte
- Schwestern
- Laborpersonal
- Dialysepatienten
- Dialysepersonal
- Empfänger von Bluttransfusionen oder Plasmaprodukten
- in Kommunen, Heimen und Asyllagern lebende Personen
- Kranke mit Immundefekten
- i.v.-Drogenabhängige
- Justizpersonal
Manifestationsformen der Virushepatitis
- Bei 20–30 % typischer ikterischer Verlauf
- anikterische Verlaufsform bei ca. 70 % der Erkrankten (große Dunkelziffer)
- Fulminante Hepatitis (Leberzerfallkoma): < 0,5 %
- Bei 5–10 % Bild einer intrahepatischen Cholestase (meist ältere Patienten)
Prodromi
Bei Hepatitis A mehrere Tage, bei Hepatitis B und Hepatitis C mehrere Wochen
- uncharakteristische Beschwerden (Unwohlsein, Abgeschlagensein, Inappetenz, Übelkeit, Kopfschmerzen)
- Obstipation oder Diarrhoe
- Erbrechen
- Gliederschmerzen
- Juckreiz
- dunkler Urin
- evtl. abdominelle Krämpfe
- katarrhalischer Infekt
- Fieber
Symptome
Subjektive Beeinträchtigungen schwinden oft mit Ikterusbeginn
- Vergrößerte, u. U. schmerzhafte Leber (Leberdämpfung > 13 cm)
- Bei 20–30 % der Erkrankten tastbar vergrößerte Milz
- Ikterus, meist Vollbild in wenigen Tagen und nur allmähliches Abblassen innerhalb von 30, selten 60 Tagen
- Dunkler Urin (heller Schüttelschaum, Wäscheflecken),
- u. U. heller Stuhl (Acholie)
Diagnostik
Labor
- GPT erhöht > GOT erhöht
- Veränderungen der Sekretions- und Entgiftungsleistungen
- Bilirubin im Urin + Bilirubin im Serum erhöht
- Alkalische Phosphatase, LAP und Gamma-GT im oberen Normbereich bzw. bei cholestatischem Einschlag erhöht
- Serumeisen erhöht
- Beeinträchtigungen des Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels
- Quickwert bei schweren Fällen zwischen 20–65 %, keine Besserung unter Vitamin K
- Antithrombin, Fibrinogen und Haptoglobin erhöht
- Beta-, Gamma-Globulinvermehrung im späteren Verlauf bei normalem Gesamteiweiß
- Cholesterin bei leichten Fällen erhöht, bei schwerem Verlauf normal oder erhöht
- Cholinesterasesturz
Serologie
- Screening; HBsAg, anti-HBc, anti-HBc-IgM, anti-HAV-IgM
- Bei HBV zur zeitlichen Bestimmung der Infektion zusätzlich HBeAg, anti-Hbe
- Die unterschiedliche Kombination der HBV-Marker erlaubt die Einschätzung des zeitlichen Verlaufes der Erkrankung
- Nachweisbar ist eine Virämie (HBV, HCV) mittels der Polymerase-Chain-Reaktion (PCR) (DNA und RNA-Nachweis) im Serum und in Lymphozyten
- Anti-HCV, HCV-PCR; bei der akuten Hepatitis C ist die HCV-PCR oft einige Wochen vor dem Erscheinen des Anti-HCV-Antikörpers positiv.
- Perkutane Leber-Biopsie oder transjuguläre Biopsie bei schlechter Gerinnung (bei unklarer Diagnose) mit Immunhistologie evtl. Virusnachweis (PCR) im Lebergewebe
(siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)
Prognose der Virushepatitis
Ausheilung:
- HAV: 100%
- HBV: 95%
- HCV: 20%
- in weniger als 1% fulminante Verlaufsformen
Begleithepatitis bei Virusinfektionen
Gelbfieber
Gelbfieber-Virus, in Südamerika und Afrika, Übertragung durch Moskitos
Infektiöse Mononukleose
Epstein-Barr-Virus = menschliches Herpes Virus 4, betrifft junge Erwachsene, Übertragung durch Tröpfcheninfektion
Zytomegalie-Virus = menschliches Herpes Virus 5, Übertragung durch Tröpfcheninfektion; macht Begleithepatitis fast nur bei Immunsuppression
Herpes-Hepatitis
Herpes Virus 1, multipler Organbefall
Coxsackie-Hepatitis
Coxsackie-Viren, Teil des multiplen Organbefalls
Alkoholische Hepatitis
Bei exzessivem Alkoholgenuss:
- Fieber
- Leukozytose
- Ikterus
- Hämolyse
- charakt. SGOT > SGPT
Medikamenteninduzierte Hepatitis
Vorhersehbar, dosisabhängige Toxizität:
- 6-Mercaptopurin;
- hohe Dosen Paracetamol (> 7–12 g)
Nicht vorhersehbar (idiosynkratisch):
- allergisches Geschehen nicht auszuschließen,
- evtl. bedingt durch toxische Metaboliten eines Pharmakons
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Entzündlicher Rückenschmerz: Morbus Bechterew
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Nachruf Prof. Helmut Mittermayer
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EHA-Kongress: Bendamustin im klinischen Alltag
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